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Ethan - Stolz, Vorurteile und ein Jaguar (Blain Rock 4)

Veröffentlichung: 11.10.2022

Seitenzahl der Print-Ausgabe: 277 Seiten

Formate: Kindle Ausgabe, Taschenbuch und Hardcover

Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.

Sprache: Deutsch

Endlich gibt es erste echte Hinweise darauf, wer für die Bedrohungen in und um Blain Rock verantwortlich sein könnte. Doch noch kann man die Verursacher nicht genau benennen, was die Bewohner von Blain Rock unter Strom stehen lässt. 

Unter Strom steht allerdings auch Ethan Parker, seines Zeichens Clanführer der Winged Hunter. Sobald er auch nur in die Nähe von Leeland Catan kommt, verspürt er den Drang, dem Jaguar an die Kehle zu gehen. Dieser hat es sich in den Kopf gesetzt, den Adler so lange zu reizen, bis er endlich seine tief verborgenen Emotionen ans Tageslicht holt und sich wie ein normaler Mensch benimmt. 

Je tiefer Lee allerdings in die Persönlichkeit des Adlers vordringt, desto mehr verfällt er ihm. 
Und so bleibt die Frage, ob Gegensätze sich nicht doch ergänzen können, wenn Bildung und Standesbewusstsein auf das pralle Leben treffen.

"Ethan" ist der vierte Band der Bain-Rock-Reihe. Einer Reihe in der ihr auf Gestaltwandler und homoerotische Liebe, mit vielleicht sogar der ein oder anderen expliziten Szene, trefft. Was es jedoch nicht gibt sind Gefährtenbindungen, M-Preg oder die üblichen Rollenverteilungen ala Alpha und Omega.
In Blain Rock leben Personen wie du und ich, also … na ihr versteht schon.

Jeder Band geht auf ein anderes Paar ein und kann eigenständig gelesen werden. Um die Rahmenhandlung zu verstehen, empfehlen wir jedoch die Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen.

Leseprobe:

 

Zurück also zu dem Grund, weshalb trotz all dem Scheiß, der seit Wochen in unserer Stadt passiert, ein Lächeln auf meinen Lippen liegt, als ich den Tower betrachte. Der Grund ist groß, schlank, mit ausdrucksstarken, dunkelbraunen Augen in einem sehr markanten und durch aristokratische Züge geprägten Gesicht. Leider hat der Grund auch den berühmt berüchtigten, zum Aristokraten passenden Stock im Arsch. Aber Heiliger … in was für einem perfekten Arsch. 
 
Meinem Clanführer und besten Freund passte es von Anfang an nicht, dass ich so einen Narren an dem Steinadler gefressen habe. Wobei man wohl eher sagen muss, dass ich einen Narren daran gefressen habe, besagten Adler zu reizen. Das hat sich in all den Jahren nicht geändert und Caven hat mehr als einmal ein Machtwort gesprochen. Hey, ich hatte und habe sicher nicht vor, die Beziehungen zu den Vögeln in irgendeiner Art zu belasten oder gar zu torpedieren. Aber es ist wirklich so verdammt schwer, die Klappe zu halten, wenn da jemand vor dir steht, der aus einem anderen Jahrhundert gefallen zu sein scheint. Ich habe nie zuvor eine Person gefunden die so pikiert auf die alltäglichsten Kommentare reagiert und das auch noch für vollkommen normal hält. Inzwischen weiß ich natürlich, dass es in seiner Natur und besonders an seiner Erziehung liegt, aber das hat nichts daran geändert, dass es verdammt großen Spaß macht, ihn zu reizen. Seltsamerweise muss ich dafür nicht einmal besonders ausgefeilte Methoden anwenden. Es scheint vollkommen ausreichend, einfach ich selbst zu sein. Irgendwie empfinde ich das ja als Kompliment. Nicht umsonst sagen meine Freunde, dass man sich mich nervlich erstmal leisten können muss.
 
Als ich endlich aus dem Wagen steige, dauert es nicht lange, bis meine Vorfreude getrübt wird. Den toten jungen Wandler auf der Ladefläche des mir zur Verfügung gestellten Wagens zu sehen, geht auch jetzt nicht spurlos an mir vorbei. Es ist eine Schande, wie viele der Jungen in den letzten Wochen ihr Leben lassen mussten, nur weil irgendein Irrer offensichtlich       irgendwelche geisteskranken Anwandlungen hat. Ich schüttele den Kopf und will gerade nach dem Jungen greifen, als ein weiterer Wagen auf den Parkplatz einbiegt. Ein Blick genügt, um zu erkennen, dass es sich um Andrejs BMW handelt und ich hebe kurz grüßend die Hand. Der Rotmilan ist in Ordnung und dass er sich wirklich auf eine Beziehung mit unserem Doc eingelassen hat … Ich habe von den Gerüchten gehört, aber es jetzt zu sehen, als sie aussteigen, das lässt ihn irgendwie in einem ganz neuen Licht erscheinen. Nicht, dass ich mir über Andrej bisher groß Gedanken gemacht hätte, er ist noch neu in der Führungsebene und meine kleinen Spitzen haben ihm bisher meist nicht mehr als ein stoisches Schnauben entlockt. Vollkommen uninteressant also und dennoch beweist er vielleicht, dass stille Wasser durchaus tief sein können. Kurz muss ich mit einem breiten Lächeln an Ethan denken und ja, ich bin mir sehr sicher, dass in dem Adler mehr als nur ein tiefes, stilles Wasser steckt. Vielleicht sowas wie ein reißender Fluss oder gar eine kleine verkümmerte Raubkatze?
 
"Hey, Lee, dir ist schon klar, dass dieses Grinsen irgendwie gruselig wirkt, wenn du so über eine Leiche gebeugt dastehst?" Sages Stimme klingt belustigt und als ich zu ihm sehe, steht er mit Andrej an der Hand nur zwei Schritte von mir entfernt. Ich richte mich auf, kratze mich kurz am Kopf und ziehe aus Reflex sofort wieder die graue Beanie an ihren Platz, bevor ich übertrieben theatralisch seufze.
"Mist, jetzt muss ich euch wohl leider umbringen." Andrejs Blick spricht Bände und doch grinst Sage mich an.
"Nicht witzig … gar nicht witzig", werde ich aufgeklärt und zucke nur mit den Schultern.
"Galgenhumor nennt man sowas. Jeder kommt auf seine eigene Art durch diese Tage." Mit diesen Worten nehme ich den Jungen behutsam aus dem Wagen und muss tatsächlich schlucken. Egal was er getan hat, ein solches Ende hat niemand verdient. 

"Lass sie das übernehmen, Lee." Andrej deutet zu den beiden Sicherheitsbeamten, die bereits mit einer Rolltrage auf dem Weg zu uns sind. Es ist nicht das erste Mal, dass man versucht, mir meine wertvolle Fracht abzunehmen und langsam sollten sie es wirklich besser wissen.

"Ich liefere den Jungen selbst ab", erkläre ich wie immer und komme mir langsam wie bei "Täglich grüßt das Murmeltier" vor. Sie sollten es echt inzwischen …

"Ethan wird eh nicht in seinem Labor sein." Mit dieser Aussage hat Andrej meine volle Aufmerksamkeit und er scheint das bereits zuvor gewusst zu haben, denn da liegt tatsächlich ein wissendes Grinsen auf seinen Zügen. "Sage wird heute die Leiche in Empfang nehmen und mit der Arbeit beginnen. Wir haben immerhin gleich eine Videokonferenz." Er sieht übertrieben auffällig auf seine Armbanduhr. Wer um alles in der Welt trägt sowas heute noch? "Und wenn du pünktlich sein willst, dann solltest du dich wohl auf den Weg machen. Also … lass sie das übernehmen." Das schmeckt mir alles so gar nicht. Es ist nicht so leicht, wie es vielleicht aussehen mag, immer der Schnellste zu sein. Seit Wochen habe ich diese Fähigkeit perfektioniert, nur um eine Vielzahl der Leichen und Proben höchstpersönlich hier abliefern zu können. 

 

Anfangs war es der Reiz, endlich in diesen vermaledeiten Vogelhorst reinzukommen, was schwerer ist, als man denken könnte. Die Sicherheit ist hervorragend und selbst jetzt, nach all meinen "Besuchen", ist es noch nicht so, dass ich hier einfach reinspazieren kann. Irgendwer klebt mir immer an den Hacken, wenn sie die routinemäßige Kontrolle auch inzwischen recht flott abwickeln. Ein paar provozierende Sprüche können bei den Flattermännern reine Wunder bewirken und ich bin mir nicht zu fein, solche Erkenntnisse mit einer ordentlichen Portion Befriedigung gegen sie zu verwenden.

Mein anfängliches Ziel hatte ich somit recht schnell erreicht. Was so eine Katastrophe, oder auch eine ganze Reihe davon, nicht alles bewirken kann. Dennoch habe ich meine Bemühungen nicht heruntergeschraubt, auch weiterhin der Überbringer von Leichen und Proben sowie den damit verbundenen schlechten Neuigkeiten zu bleiben. Denn aus einem Ziel ergab sich irgendwie das nächste und nun … ist mein neues Ziel gar nicht an seinem Platz. Und irgendwie schlägt mir das gerade minimal auf die gute Laune. Nicht, dass mir die wirklich und ernsthaft schnell zu verhageln wäre, aber Andrejs einfache Aussage verpasst ihr durchaus einen kleinen Dämpfer. Bei all den beunruhigenden Entwicklungen in letzter Zeit waren die wenigen Augenblicke mit Ethan fast sowas wie Urlaub. Ihn auf die Palme zu bringen war ja schon immer unglaublich spaßig, aber in letzter Zeit habe ich eine ganz neue Seite an ihm kennengelernt. Er ist kein leichtes Opfer, das sich einfach fügt beziehungsweise taub stellt. Nicht mehr zumindest. Früher ist er meinen Spitzen und Kommentaren, die gerne mal absichtlich am Rand der Anzüglichkeit vorbei getänzelt sind, mit stoischer Gelassenheit begegnet. Nur seine Blicke haben verraten, was er von mir und meiner Art gehalten hat. Inzwischen habe ich es jedoch geschafft, ihm wahrhaftige Reaktionen zu entlocken. Okay, meist bestehen diese in dem Versuch, mich schnellstmöglich wieder aus seinem Reich, dem Labor, heraus zu bugsieren, aber hey, immerhin beachtet er mich jetzt. Der Adler hat Feuer im Hintern und ja, ich bilde mir was darauf ein, dass ich diese Seite in ihm zum Vorschein bringen oder vielleicht sogar erwecken konnte. 

Also ist es wohl verständlich, dass gerade eine gewisse Enttäuschung mitschwingt, als ich die Leiche des   Jungen auf der Trage ablege und sie mit den beiden Sicherheitsleuten von dannen ziehen lasse.

"Guck nicht so bedröppelt aus der Wäsche, Lee. Du wirst eine neue Chance bekommen … für was auch immer." Sage grinst wissend, was verrät, dass zumindest er kapiert hat, dass meine ständige Anwesenheit hier nicht dem puren Zufall geschuldet ist.

"Irgendwie sollte das wohl keiner von uns hoffen, so viel habe dann selbst ich kapiert", gebe ich zu, denn keiner von uns wünscht sich weitere Anschläge. Allerdings hat er recht. Ich werde eine neue Chance bekommen, wäre ja auch gelacht, wenn ich das nicht hinbekommen würde. Selbst ohne Leichen kann ich einen Vorwand finden. Problemlöser ist immerhin mein zweiter Vorname, oder war es der dritte, vielleicht der vierte?

"Ich gehe dann mal an die Arbeit", verkündet Sage, der nun ja wohl einen Job zu erledigen hat.

"Mach das, Liebling, wir sehen uns später." Andrej gibt dem Fuchs noch einen Kuss und dann verschwindet dieser auch schon mit einem letzten Gruß und Winken. Ich hebe lediglich die Hand und schüttele mit einem Grinsen den Kopf.

"Irgendwann muss er mir sein Geheimnis verraten, wie er das geschafft hat."

"Wie meinen?" Andrej sieht mich verwirrt an, aber ich klopfe ihm nur mit einem Lachen auf die Schulter. 

"Ich habe nur mit mir selbst gesprochen. Ich bin dann auch mal weg. Wir sehen uns gleich online."

"Ja, bis gleich." Er klingt immer noch etwas verwirrt, wendet sich aber ebenfalls ab und macht sich auf den Weg zu der Besprechung, zu der ich zu spät komme, wenn ich jetzt nicht richtig Gas gebe. Auf einen Anschiss von Caven kann ich verzichten, erst recht, wenn es nicht mal einen triftigen Grund gibt, um ihn zu kassieren.